Für die Arbeit des Journalisten, ganz gleich, ob er fotografiert oder schreibt (ich habe beides getan), gibt es einen Begriff, der die Tätigkeit und die Bedeutung sehr gut wiedergibt: Zeitzeuge
Anders, als in der Landschafts- oder Naturfotografie, die immer einen gewissen Interpretationsspielraum zulässt, kommt es hier auf Genauigkeit, auf Klarheit, vor allem auf Wahrheit an.
Gut, das mag für manche altbacken klingen, die mir vorhalten werden, das heutzutage jede denkbare Manipulation möglich ist, auf diese Art Wahlen gewonnen und die öffentliche Meinung beeinflusst wird. Aber das war schon immer so, nur war es früher handwerklich anspruchsvoller.

Zum Glück kann ich über die hier gezeigten Fotos sagen: Sie sind alle echt und in keinster Weise manipuliert. Natürlich ist auch meine Auswahl gefiltert. Denn ich habe nicht alles fotografiert und ich habe es so fotografiert, wie ICH es gesehen habe. Aber genauso ist es in dem Moment für mich gewesen.

Ich habe über zwei Jahrzehnte als Fotojournalist gearbeitet. Ich kann mich an kein Thema erinnern, das ohne Menschen entstanden wäre. Das ist manchmal, leider ziemlich oft, nicht erfreulich. Aber Journalismus ist in diesem Sinne immer auch so etwas wie Beziehungsarbeit. Arbeit mit Beziehungen zu Anderen oder das Bezeugen ihrer Beziehungen zu wiederrum Anderen. Diese Fotografien sind Dokumente menschlichen Scheiterns, menschlicher Größe oder – ganz einfach: Zeugnisse des Mensch-Seins.